Zuerst eine Warnung:
Die Zugehörigkeit zu einer Religion ist sicher in keiner Weise mit der oft kurzlebigen Zugehörigkeit zu einem Sportverein zu vergleichen. Deshalb fällt es vielen Menschen äußerst schwer, ihre Zugehörigkeit zu einer Religion – sei sie nun wahr oder falsch – aufzugeben.
Einer der häufigsten Einwände, die den Propheten entgegengehalten wurde, lautet: „Wir können doch nicht das aufgeben, was unsere Vorfahren uns hinterlassen haben!“
Aber ist es wirklich die Pflicht der Menschen, in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten? Muß beispielsweise einer, dessen Vater arm war, ebenfalls in Armut leben? Oder muß der Sohn eines Schäfers unbedingt auch Schäfer werden? Und, zu guter Letzt, muß derjenige, dessen Vater einem Irrweg gefolgt ist, auch dessen Irrweg folgen?
Natürlich nicht! Denn das Leben lehrt uns, daß genau das Gegenteil der Fall ist. Viele Kinder armer Leute sind zu reichen Geschäftsleuten, Firmenchefs oder Medien-Mogulen geworden. Kinder, deren Väter davon lebten, Schafe zu hüten, sind Staatssekretäre oder Minister geworden. Und ebenso sind viele Kinder, deren Väter einem Irrweg folgten, zu bedeutenden und engagierten Vertretern der wahren Religion geworden.
Das eindeutigste und klarste Merkmal eines göttlichen Buches ist seine Sprache. Um dem Namen ‘Göttliches Buch’ gerecht zu werden und als Quelle der Religion zu fungieren, sollte es deshalb in der ursprünglichen Sprache gehalten sein, in der es dem Propheten, der es verkündete, offenbart wurde. Andernfalls erfüllt es nicht die grundlegenden Bedingungen.
Die ursprüngliche Sprache des Evangeliums, das dem Propheten Jesus – auf ihm sei der Friede – offenbart wurde, war Hebräisch. Bedauerlicherweise ist das Original dieses Evangeliums verloren gegangen, da bei seiner Niederschrift und Kodifizierung nicht mit der gleichen Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und dem gleichen Geist von Zusammenarbeit vorgegangen wurde, wie bei der Niederschrift und Kodifizierung des Qur’an.
Das ‘Neue Testament’, welches seit Jahrhunderten in den Kirchen rezitiert, von Missionaren verteilt und bis heute als Wort Gottes angesehen wird, besteht im Kern aus jenen verschiedenen Versionen, die unter Kontroversen auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 ausgewählt wurden.
Ein weiteres Merkmal eines göttlichen Buches besteht darin, daß seine Syntax sowie die Anordnung der Worte dem von Allah offenbarten Wortlaut entsprechen.
Wenn wir uns beispielsweise den Qur’anvers {Lobpreis sei Allah, dem Herrn der Welten} anschauen, wird deutlich, daß, wenn wir die Stellung eines Wortes, z.B. ‘Lobpreis’, in diesem Satz ändern, damit die von Allah festgelegte Syntax verändert wird, wodurch das Merkmal, das exakte Wort Gottes zu sein, verloren geht.
Um dies weiter zu verdeutlichen möchte ich zwei Beispiele aus dem Neuen Testament gegenüberstellen. Sie stammen von Matthäus und Markus und handeln unter gleichem Titel von ein und demselben Ereignis.
In Matthäus, 8:14-17 heißt es unter dem Titel „Heilung der Schwiegermutter des Petrus und anderer Kranker“:
„Und als Jesus in das Haus des Petrus gekommen war, sah er dessen Schwiegermutter fieberkrank daniederliegen. Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und diente ihm.“
Bei Markus heißt es hingegen in 1:29-31, unter „Heilung der Schwiegermutter des Petrus“:
„Und sobald sie aus der Synagoge hinausgingen, kamen sie mit Jakobus und Johannes in das Haus Simons und Andreas. Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sofort sagen sie ihm von ihr. Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.“
Obwohl nicht ein Wort eines göttlichen Buches verändert werden darf, weisen diese beiden Textbeispiele eine Vielzahl von Auslassungen, Hinzufügungen und Veränderungen auf. Wenn eine der beiden Versionen wahr ist, ist die andere unwahr, wenn die eine korrekt ist, muß die andere falsch sein. Bedauerlicherweise werden beide Texte als Teil der modernen Bibel in den Kirchen und im Gottesdienst als ‘Wort Gottes’ rezitiert.
Ein anderes augenfälliges Beispiel betrifft den Stammbaum Jesu – Friede sei mit ihm. Matthäus beginnt in 1:2 unter der Überschrift “Der Stammbaum Jesu” mit dessen Stammbaum bei Abraham:
„Abraham zeugte Isaak, Isaak aber zeugte Jakob...“
und endet dann, in 1:16-17, mit Joseph, dem Sohn Jakobs:
„Mattan aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Josef, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird.“
Bei Lukas hingegen heißt es in 3:23 unter „Der Stammbaum Jesu“:
„Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre alt, als er auftrat, und war, wie man meinte, ein Sohn des Josef, (Sohn) des Eli...“
Im Gegensatz zu Matthäus beginnt Lukas mit Joseph, dem Sohn des Eli, und führt den Stammbaum dann zurück bis zu Adam, den er als Sohn Gottes bezeichnet:
... (Sohn) des Enosch, (Sohn) des Set, (Sohn) des Adam, des (Sohn) Gottes.
Von den Hinzufügungen, Auslassungen und Veränderungen abgesehen, sagt einer dieser beiden Texte, Jesus sei der Enkel des Eli gewesen, während der andere besagt, er sei der Enkel des Jakob gewesen, wobei beide die Abstammung Jesu auf Joseph zurückführen.
Die ganze Welt – mit Ausnahme der Juden – weiß, daß Jesus – Friede sei auf ihm – ohne Vater geboren wurde und deshalb nur einen Großvater hatte. Dieser war der Vater seiner Mutter Maria, ‘Imran, und die Abstammung Jesu läßt sich nur über diese Abstammungslinie ableiten.
Bedauerlicherweise werden jedoch diese widersprüchlichen Niederschriften in den Kirchen als ‘Heilige Schrift’ verkündet.
Als ich diese Widersprüche in dem, was heutzutage als Evangelium bezeichnet wird, betrachtete, mußte ich an das eröffnende Kapitel des Qur’an, die Sure al-Fatiha denken. Wenn man einen Qur’an, der vor Jahrhunderten geschrieben wurde und eine gedruckte Ausgabe des Qur’an von heute nebeneinander legt und in beiden die Sure al-Fatiha vergleicht, wird man feststellen, daß sie vollkommen identisch sind und immer mit den Worten al-Hamdulillah beginnen und mit wa la dallin enden.
Das entscheidendste Merkmal eines göttlichen Buches ist, daß es gänzlich Allahs Buch ist und nicht ein einziges Wort enthält, das von irgendjemand anderem als Ihm stammt.
Wenn wir diesen Punkt einmal unvoreingenommen untersuchen, stellen wir fest, daß dies eine verstandesmäßig und logisch unverzichtbare Vorbedingung ist! Denn, wenn schon die Menschen die von ihnen verfaßten Bücher urheberrechtlich vor Plagiaten und Verfälschungen schützen, wie können wir dann glauben, daß Allah, der Allmächtige, Sein Buch nicht schützt und die Übeltäter ungeschoren davonkommen läßt?
Genau so, wie Allah, der Herr der Welten und absolute Herrscher der Himmel und der Erde, niemandem gestattet, sich in Sein Tun einzumischen, wird Er auch nicht zulassen, daß Sein Buch verfälscht oder verändert wird.
Aus diesem Grund wurde zum Beispiel das Wort “Amin!”, was so viel bedeutet, wie „Nimm unsere Bitte an!“, und welches entsprechend der Empfehlung und dem Beispiel des Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – stets nach der Sure al-Fatiha gesprochen wird, nicht in die Niederschrift des Qur’an aufgenommen – weil es nicht das Wort Allahs ist!
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